Schmetterlinge durchleuchten

Foto: Ein Pfauenschmetterling (Fotograf: Couleur via Pixabay).

Wärest du vor 150 Millionen Jahren auf dieser Welt gewesen, hätte die Erde sehr langweilig ausgesehen. Du hättest keine fröhlichen, gelben, roten und rosa Blumen auf den Feldern gesehen, die sanft hin und her geweht worden wären. Es hätte nur wenige große Bäume geben, und die herumflatternden Schmetterlinge wären nicht gelb, blau und magenta Farben, sondern blass braun, wie Motten. Zu dieser Zeit war Mutter Natur quasi gerade erst aus den Windeln herausgekommen und es sollte viele Jahre dauern, bis sie das Potenzial von Farben erkannte.

Als Mutter Natur heranwuchs, entdeckte sie den Spaß an Farben. Wie ein Kleinkind mit einer XL-Packung Bundstifte kritzelte sie die Welt mit Pigmenten an. Mit ihrer Zunge, die leicht durch ihre Lippen guckte, färbte sie Blumen rot, rosa oder sogar blau. Sie malte giftige Frösche mit einem fluoreszierenden blauen Marker an. Und diese Farben begannen ihre eigene Sprache zu sprechen. Die hellblaue Farbe des Frosches sagt: “Iss mich nicht, ich bin giftig.” Die schönen Farben der Blumen sind ein Aufruf an Bienen, Hummeln, Fliegen und andere Bestäuber, Pollen von einer Blume auf eine andere zu übertragen.

Sie wollte quietsch buntes Make-up: blauer Lidschatten, rosa Rouge und roter Lippenstift

Im Laufe der Jahre wuchs die Weisheit von Mutter Natur und sie lernte neue, fortgeschrittenere Tricks, um die Welt zu färben. Zu ihrer Freude entdeckte sie, dass sie weißes Licht in einzelne Farben ‚brechen‘ konnte. Sie lernte, eine bestimmte Farbe zu reflektieren, um sie sichtbar zu machen. Sofort wandte sie ihre neue Entdeckung auf Schmetterlinge an und gab ihren Flügeln mikroskopisch kleine, schuppenartige Strukturen, die eine bestimmte Farbe widerspiegeln.

Aber die jugendliche Mutter Natur fand eine einzige Farbe für alle Schmetterlinge zu langweilig. Wie viele Jugendliche wollte sie quietsch buntes Make-up: blauer Lidschatten, rosa Rouge und roter Lippenstift. Daher variierte sie die Dicke der schuppigen Struktur im mikroskopischen Maßstab für jede Schmetterlingsart, jedes Geschlecht und jede saisonale Variante. Die Dicke erzeugte eine andere Reflexion des Lichts und auf diese Weise färbte sie Schmetterlinge blau, rosa und rot.



Eine Nahaufnahme der mikroskopischen Schuppen am Flügel eines Schmetterlings. Werden wir in ein paar Jahren in schmetterlingsartigen Kleidern herumlaufen? Fotograft: Pixabay

Jetzt ist Mutter Natur erwachsen geworden. Ihre Lebenserfahrung und Weisheit sind in der Welt um uns herum sichtbar. Und wir können viel von ihr lernen: Wir können ihre Tricks für unseren eigenen Gebrauch kopieren, zum Beispiel in der Bekleidungsindustrie. Stell dir eine Jacke mit mikroskopisch kleinen Strukturen vor, deren Dicke variiert und die kleinsten Details sichtbar macht. Wer weiß, vielleicht werden wir in ein paar Jahren alle in schmetterlingsähnlichen Kleidern mit mikroskopischen Schuppen herumlaufen.


Forscher der University of California in Berkeley entdeckten, dass die Dicke der mikroskopischen Schuppen auf dem Rosskastanienschmetterling die Lichtbrechung und damit die Farbe bestimmt.

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