Höhlenmalerei im Drogenrausch

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Bild von Free-PhotosPixabay 

Wissenschaftler haben lange geglaubt, dass urzeitliche Höhlenmalereien unter Drogeneinfluss geschaffen wurden. Jetzt fanden Forscher zum ersten Mal Spuren einer halluzinogenen Pflanze in einer kalifornischen Höhle, in der sich ein solches Gemälde befindet. Doch ihre Ergebnisse widersprechen der Theorie, dass dieses Bild Visionen eines Drogenrausches darstellt.

Eine Blüte in Form eines Windrads, gemalt aus einer einzigen roten Linie, ziert die Decke der Pinwheel-Höhle in Kalifornien (nahe Santa Barbara, USA). Daneben fanden Wissenschaftler aus New Mexico, USA, Pflanzenreste, die in Risse der Decke gedrückt worden waren. Mithilfe eines Verfahrens namens Flüssigkeits-Chromatographie konnten die Forscher halluzinogene Verbindungen nachweisen und die Spezies identifizieren: Wrights Stechapfel. Die Pflanze wächst im Südwesten des nordamerikanischen Kontinents und wurde häufig von Ureinwohnern konsumiert.

Der Ursprung

Eine bei Archäologen umstrittene Theorie ist der Ursprung von Höhlenmalereien. Eine verbreitete Annahme besagt, dass Schamanen die Einsamkeit suchten, um Rauschmittel für religiöse Rituale zu konsumieren und ihre Visionen zu verewigen. Doch die Wissenschaftler aus New Mexico stellten nun fest, dass die Pinwheel-Höhle permanent bewohnt war. Sie entdeckten Spuren von Lebensmittellagerung, Werkzeugen und Alltagsgegenständen.

Stechapfel-Pflanzen wurden nicht nur von Schamanen des nordamerikanischen Südwestens konsumiert. Die Menschen verwendeten sie in ihrem täglichen Leben, z.B. um Stärke zu gewinnen oder um Initiationsrituale durchzuführen.

Die amerikanischen Forscher fanden 65 Risse in der Höhlendecke, die Kugeln aus zerkauten Stechapfel-Teilen, sogenannten Quids, enthielten. Sie ermittelten das Alter der Quids mittels Radiokarbondatierung und stellten fest, dass einige zwischen 1530 und 1655 und andere zwischen 1715 und 1890 dort platziert wurden. Im letzteren Zeitraum soll auch die Besiedelung der Höhle beendet worden sein. Diese Daten zeigen, dass Stechapfel über viele Generationen von amerikanischen Ureinwohnern genutzt wurde.

Die Theorie

Das Blumengemälde an der Höhlendecke ähnelt stark einer sich öffnenden Stechapfel-Blüte, es wurde außerdem mehrfach übermalt. Die Wissenschaftler folgerten aus ihren Entdeckungen, dass Höhlenmalereien nicht das Ergebnis drogenbedingter Halluzinationen sind, sondern einen Alltagsgegenstand zeigen und den Ort, an dem er benutzt wurde.



Quelle:

Robinson, D. W. (2020). Datura quids at Pinwheel Cave, California provide unambiguous confirmation of the ingestion of hallucinogens at a rock art site. Proceedings of the National Academy of Sciences.

Published by Katrin Heidemeyer

Katrin Heidemeyer ist Doktorandin im Bereich Biochemie an der Wageningen University and Research. Durch ihre Arbeit möchte sie das Wissen über die Spezifität von Hormon-Signalen in Pflanzen erweitern. Da ihre Interessen über Pflanzenbiologie hinausreichen, schreibt sie in ihrer Freizeit über diverse Themen. Von Ernährung zu Psychologie, der Neugierde sind keine Grenzen gesetzt.

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