Wiederaufforstung des Meeresgrundes

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Bild von Jonny BelvederePixabay.

US-Wissenschaftler berichten von der erfolgreichen Wiederaufforstung großer Seegraswiesen, durch die ein ganzes Ökosystem wiederhergestellt werden konnte und die darüber hinaus große Mengen Kohlendioxid speichern. Die Wissenschaftler informieren in einem in Science Advances veröffentlichten Artikel vom 07. Oktober 2020 über ihren Versuch, Seegras in ausgestorbenen Küstengebieten wieder einzuführen, und darüber, wie die Pflanzen die Wasserqualität und die Artenvielfalt verbessert haben.

Der Meeresboden war karg und leer, als Wissenschaftler im Jahr 1999 im Küstengebiet von Virginia (USA) mit der Aussaat von Seegrassamen begannen. Eine pandemische Schleimpilzkrankheit hatte in den 1930er Jahren fast die gesamten Seegrasbestände an der amerikanischen Ostküste und der europäischen Westküste ausgerottet. Mit den Meerespflanzen gingen viele andere Arten in den Gebieten verloren, da Seegras als Nahrungsquelle und Schutz für sie lebenswichtig ist. Die Pflanzen fanden nicht auf natürliche Weise den Weg zurück an die Küsten, weshalb Forscher aus Virginia einen groß angelegten Versuch unternahmen, das Ökosystem wiederherzustellen.

Über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren haben Wissenschaftler und Freiwillige fast 75 Millionen Samen per Hand auf mehr als 500 Unterwasser-Parzellen und über eine Fläche von 213 ha gepflanzt. Mit der Rückkehr der grünen Wiesen auf dem Meeresboden verbesserten sich die Klarheit und Qualität des Wassers und andere Arten kehrten zurück.

Die Wissenschaftler maßen die Auswirkungen ihrer Maßnahmen anhand der Biomasse von Tieren: Die Menge an wirbellosen Tieren wie Garnelen und Sternfische nahm um mehr als eintausend Prozent zu, die Masse an Fischen um mehr als sechstausend Prozent. Beide Arten von Lebewesen waren in dieser Region fast völlig ausgestorben, als das Projekt gestartet wurde. Darüber hinaus ist die Vielfalt der verschiedenen Arten wieder sehr hoch und vergleichbar mit natürlich vorkommenden Seegras-Wiesen.

Nachdem das Seegras an den Küsten von Virginia wieder heimisch geworden war, vermehrten sich die Pflanzen von selbst, was zu einer Ausbreitung auf über 3600 ha führte. Dies sind gute Nachrichten für die Bewohner der Küste, da sie die Möglichkeit haben, das Ökosystem kommerziell zu nutzen. Jakobsmuscheln sind in großer Zahl in die Region zurückgekehrt und können für den lukrativen Weiterverkauf gefangen werden. Auch das Seegras selbst kann als Dünger, Isolierung oder Verpackungsmaterial verwendet werden.

Darüber hinaus haben die Seegrasböden den Vorteil, dass sie Kohlenstoff und Stickstoff speichern. So tragen die Wiesen zur Bekämpfung der Klimakrise bei. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass junge Pflanzen eine geringe Speicherkapazität haben, die Aufnahme von Kohlenstoff und Stickstoff mit ihrer Heranreifung aber drastisch zunimmt.

Überall auf der Welt nimmt die Seegrasbedeckung des Meeresbodens ab. Die US-Wissenschaftler hoffen darauf, viele Naturschützer dazu zu inspirieren, ihrem Beispiel zu folgen. Denn dies könnte zum Schutz vieler Ökosysteme und des Weltklimas beitragen.


Quelle:

Orth, R. J., Lefcheck, J. S., McGlathery, K. S., Aoki, L., Luckenbach, M. W., Moore, K. A., … & Lusk, B. (2020). Restoration of seagrass habitat leads to rapid recovery of coastal ecosystem services. Science Advances6(41), eabc6434.

Published by Katrin Heidemeyer

Katrin Heidemeyer ist Doktorandin im Bereich Biochemie an der Wageningen University and Research. Durch ihre Arbeit möchte sie das Wissen über die Spezifität von Hormon-Signalen in Pflanzen erweitern. Da ihre Interessen über Pflanzenbiologie hinausreichen, schreibt sie in ihrer Freizeit über diverse Themen. Von Ernährung zu Psychologie, der Neugierde sind keine Grenzen gesetzt.

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