Wenn das Gehirn Bauchschmerzen verursacht

Stress, Gut-Brain-Axis, Depression, Anxiets

Bild von Wolfgang ClaussenPixabay 

Wir alle kennen dieses Stechen im Magen, das sich vor einer Präsentation bemerkbar macht, oder die Schmetterlinge im Bauch, die ein Date verursacht. Den Stress spüren wir im Magen, das Signal zur Anspannung kommt jedoch vom Gehirn. Wenn der innere Druck chronisch wird, kann sich das auch auf die Darmgesundheit auswirken: Magen-/Darmprobleme sind ein Hauptsymptom von Depressionen und Angstzuständen.

Der Darm hat sein eigenes Nervensystem: das enterische Nervensystem. Es steuert beispielsweise die Magen- und Darmbewegungen, die für die Verdauung und den Stuhlgang wichtig sind. Darüber hinaus ist das enterische Nervensystem über ein Netzwerk von Nervenzellen mit dem Gehirn verbunden, mit dem Vagusnerv als bekanntestem Vertreter.

Die Neuronen des Vagusnervs können als Autobahn verstanden werden, auf der Signale zwischen Gehirn und Darm transportiert werden. Die Signale halten das Gehirn über den Zustand des Herzens, der Lunge, der Leber und der Verdauungsorgane auf dem Laufenden. Auf diese Weise weiß beispielsweise der Kopf über den Säuregehalt des Magens oder unsere Herzfrequenz Bescheid.

Informationen können über diese Autobahn von Nervenzellen in beide Richtungen gesendet werden. Signale aus dem Gehirn führen zur Enzym- und Magensäuresekretion, wenn diese Substanzen für die Verdauung benötigt werden, auf der anderen Seite kann auch die Herzfrequenz reguliert werden. Das alles sind nützliche Funktionen in unserem Alltag, das enterische Nervensystem reagiert aber auch auf Stresshormone.

Cortisol wird in Stresssituationen ausgeschieden und soll den Körper auf einen bevorstehenden Kampf, beziehungsweise eine Flucht vorbereiten. Das Stresshormon erhöht aber auch die Ausscheidung von Magensäure, die, in hohen Konzentrationen, zu Magenreizungen führen kann. Bei regelmäßiger übermäßiger Sekretion können Magenschmerzen, Refluxprobleme oder sogar Geschwüre die Folge sein.

Darüber hinaus kann innere Anspannung dazu führen, dass sich die Muskeln anspannen, die unsere Darmorgane umgeben. Ähnlich wie bei Verspannungen in den Schultern, können wir die Anspannung der Darmmuskeln spüren. Auch erhöht Stress das Schmerzempfinden, was selbst kleine Gasblasen oder Muskelverspannungen im Darm für manche Menschen sehr schmerzhaft macht

Darmprobleme gehören zu den häufigsten Symptomen von Depressionen und Angstzuständen. Die Manifestation des geistigen Zustandes kann variieren, von Sodbrennen oder Durchfall bis hin zum Reizdarmsyndrom oder entzündlichen Erkrankungen, wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Da psychische Probleme den Darm negativ beeinflussen können, kann eine Verbesserung der psychischen Situation eine Linderung der körperlichen Beschwerden bedeuten. Praktiken wie Yoga, Mindfulness und Meditation wirken sich durch die Regulierung des Atems positiv auf den Vagusnerv aus und können dadurch eine Reduktion von Darmsymptomen bewirken.

Yoga, Mindfulness, Stress relief, Health

Eine spezielle hypnotische Meditation hat sich bei bestimmten psychosomatischen Zuständen, wie dem Reizdarmsyndrom, als hilfreich erwiesen. Es klingt seltsam und ist nicht vergleichbar mit Hypnoseshows im Fernsehen. Die Technik ist eher einer geführten Meditation ähnlich.

Darüber hinaus hat sich die direkte Fokussierung auf die Informationsautobahn bei der Behandlung der Ursache von Darmproblemen als nützlich erwiesen. Die Stimulation des Vagusnervs durch elektrische Impulse hat sich bei etwa fünfzig Prozent der Patienten mit Depressionen wirksam gezeigt, bei denen jede vorherige Behandlung versagt hat.

Manchmal ist es gut, auf ein Bauchgefühl zu hören. Besonders wenn der Bauch uns sagt, dass wir Stressfaktoren in unserem Leben identifizieren und Spannungen abbauen sollten. Seinen Lebensstil anzupassen, und beispielsweise regelmäßig zu meditieren, kann eine große Erleichterung sein. Andernfalls ist es ratsam, professionelle Hilfe zu suchen, um wieder mehr Leichtigkeit im Kopf und im Bauch zu verspüren.


Quellen:

Breit, S., Kupferberg, A., Rogler, G., & Hasler, G. (2018). Vagus nerve as modulator of the brain–gut axis in psychiatric and inflammatory disorders. Frontiers in psychiatry9, 44.

https://www.rchsd.org/health-safety/growing-up-columns/understanding-the-link-between-stress-and-stomach-aches-in-children/ Autorin Dr. Rebecca Cherry, Einsicht 31.10.2020

Published by Katrin Heidemeyer

Katrin Heidemeyer ist Doktorandin im Bereich Biochemie an der Wageningen University and Research. Durch ihre Arbeit möchte sie das Wissen über die Spezifität von Hormon-Signalen in Pflanzen erweitern. Da ihre Interessen über Pflanzenbiologie hinausreichen, schreibt sie in ihrer Freizeit über diverse Themen. Von Ernährung zu Psychologie, der Neugierde sind keine Grenzen gesetzt.

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